Üblicherweise picke ich mir für meine Kritiken kulturelle Gustostückerln namhafter Künstlerinnen und Künstler in der Region heraus. Diesmal habe ich mich für etwas Anderes entschieden, wenngleich ich es auch als Gustostückerl bezeichnen würde.
Am Freitag vor Pfingsten lud die 16-jährige Akkordeonistin Rosalie Wailzer ins Pfarrheim ihrer Heimatgemeinde Velm, um dort in einem Solo-Konzert ihr „Prima la musica“-Programm zu präsentieren, mit dem sie im Frühjahr NÖ-Landessiegerin wurde und damit einen Startplatz beim Bundeswettbewerb am Pfingstmontag eroberte. Neben einigen speziell für Akkordeon komponierten Stücken wie etwa „Botany Play“ von Torbjörn Iwan Lundquist oder „Romance Nr. 2“ von Franck Angelis gab´s ein schwierig zu spielendes Präludium und Fuge von Johann Sebastian Bach, das Wailzer mit sehr viel Gefühl intonierte.
Ihre Qualität ist nicht bloß virtuose Fingerfertigkeit, sondern diese mit Empathie zu verbinden: Von der filigranen Sonate Scarlattis, die für Cembalo komponiert wurde und von Wailzer zum Teil wie Flötenklang serviert wurde, bis zum coolen jazzigen „Memphis Stomp“ Dave Grusins.
Als viel umjubelten Abschluss gab´s einen mitreißenden „Tango pour Claude“ von Richard Galliano, bei dem Wailzer vom 15-jährigen Patrick Unger am Cajun begleitet wurde. Beide sind Schüler der Musikschule Himberg und letzterer auch Mitglied des örtlichen Musikvereins.
Erfrischend, wie die junge Musikerin ihren Auftritt (ohne schriftliche Unterlage) selbst moderierte: Wie sie vor elf Jahren begann, Akkordeon zu spielen, wie das Instrument aufgebaut ist, dass sie mit der steirischen Ziehharmonika wenig auf dem Hut hat, und dass sie es genießt, vor Publikum zu spielen. Da könnten sich einige Moderatoren noch etwas abschauen, bzw. abhören.
Location und Service
Das Pfarrheim Velm ist kein Konzertsaal. Aber ein heller, mit Glaswänden ausgestatteter und barrierefreier Mehrzweck-Raum, in dem die gut hundert Besucher und Besucherinnen ausreichend Platz fanden. Dazu gibt es eine kleine Küche mit Ausschank, an der Imbisse und Getränke gegen freie Spende offeriert wurden. Besonders angenehm der anschließende Garten, in dem sich das Publikum in der Pause an Stehtischen laben und unterhalten konnte.